Im Gespräch über 7Dogs, meinen Werdegang und meine Erfahrung

„Wenn ich das mache, möchte ich jedem der von mir betreuten Hunde gerecht werden.“

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Hunde sind wahre Kommunikationsgenies, die sich in ihrer und gleichzeitig unserer Menschen-Welt gekonnt zweisprachig bewegen können. Das kann man einfach nicht genug anerkennen. Gleichzeitig sind wir HundehalterInnen gefordert, denn das Verständnis von Mensch und Hund ist keine Einbahnstraße. Unsere Hunde kommen in unserer schnelllebigen, an Leistung orientierten Welt trotz bester Absichten oft genug zu kurz.

Kennen Sie das, Simone Ratz?

Absolut, denn ich komme selbst aus einem klassischen Büroleben. Habe nach meinem Studium zwanzig Jahre lang in Kasseler Konzernen und bei Mittelständlern gearbeitet. War verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Das ist noch gar nicht lange her. Da hast Du nicht immer pünktlich Feierabend. Wenn der Chef ums Eck kommt und noch ein Meeting anberaumt oder eine Präsentation noch am selben Tag fertig werden muss. Dann sitzt der Hund zu Hause und Du weißt, er ist schon wieder viel zu lange allein. Und abends war ich meistens ziemlich geschafft. Da gab es dann auch oft nur die schnelle Runde um den Block oder den Gang in den Garten.

Haben Sie dafür eine Lösung gefunden?

Na ja, am Anfang bin ich in meiner Mittagspause nach Hause gefahren oder hab meinen Chico ins Büro mitgenommen. Das hat mal mehr, mal weniger gut funktioniert und war je nachdem, was anstand, auch ziemlich anstrengend. Dann habe ich ihn in einigen Tagesbetreuungen untergebracht. Keine der dort angebotenen Lösungen hat mich letztendlich überzeugt. Und nachdem ich eines Tages einen am Rücken verletzten Hund zurück bekam und niemand hatte etwas gesehen, war damit für mich Schluss. Wir haben heute noch mit dieser Verletzung zu tun. Irgendwann dachte ich: „Mensch Simone, Du bist bestimmt nicht allein mit diesem Problem, Du hast so viel Erfahrung mit Hunden und weißt auch ziemlich genau, wie eine Hundebetreuung aussehen sollte, in die Du Chico bringen würdest. Warum gründest Du nicht einfach selber eine?“

Gesagt, getan?

Fast, etwas Zeit brauchte es noch. Denn für mich war ziemlich schnell klar, dass, wenn ich das mache, ich jedem der von mir betreuten Hunde gerecht werden will. Dass ich deshalb kein klassisches Hundebetreuungsangebot sondern einen Gassi Service gründen will. Das heißt aber auch, keine Zwinger, keinen begrenzten Raum. Ich hatte zwar viel Erfahrung mit Einzelhunden und unseren Familienrudeln, doch muss ich im Gassi Service Gruppen mit Hunden, die sonst nicht zusammenleben und oft auch unterschiedliche Bedürfnisse haben, so zusammenstellen und führen, dass wir uns draußen sicher bewegen. Beispiel: Uns begegnet eine Gruppe Wanderer. Dann lernen die Hunde bei mir, auf die Seite zu gehen und sich an mir zu orientieren.

Die Hunde müssen auch als Charaktere zusammen passen. Ich kann die Stimmung unter ihnen zwar positiv beeinflussen und die Gruppen so managen, dass alle sich wohlfühlen. Doch dabei kann man auch an Grenzen stoßen. Dafür ist es wichtig, dass ich das im Vorfeld abschätzen kann. Deshalb wollte ich mich in Körpersprache und Kommunikation von Hunden noch sicherer fühlen. Und habe erst einmal bei Trainern und Hundebetreuern mitgearbeitet, Praktika gemacht, meinen Sachkundenachweis bei der IHK in Potsdam abgelegt. Habe mich mit Verhaltensweisen und Bedürfnissen vieler Rassen beschäftigt. Hund ist nicht gleich Hund.

Und wie ging es dann weiter?

Meine Vermutung wurde bestätigt. Ich war und bin nicht allein mit diesem Problem. Zwar musste es sich erst herumsprechen, dass es mich gibt. Und nicht jeder kennt Gassi Services hier in good old Nordhessen. Kassel ist nicht Berlin, wo Dogwalking quasi zum Stadtbild gehört. Doch mittlerweile bekomme ich fast täglich Anfragen.

Meine Kunden schätzen meine Arbeit. Haben Vertrauen in das, was ich kann und tue. Mit einigen verbindet mich fast schon ein freundschaftliches Verhältnis. Das freut mich ganz besonders. Relativ schnell wünschten sich meine Kunden, dass sie ihre Hunde bei mir auch unterbringen können, wenn sie im Urlaub oder auf Dienstreise sind. So sind Hundepension und Tagesbetreuung entstanden, allerdings mit einem ganz eigenen Konzept.

Und etwas ist noch erwähnenswert, denn besonders Angsthunde, sensible Hunde und Hunde mit einem Deprivationssyndrom, das heißt, dass diese Hunde keinen guten Start ins Leben hatten und deshalb besondere Verhaltensweisen zeigen, liegen mir am Herzen. Wenn ein solcher Hund langsam Vertrauen fast und ich mit dazu beitragen kann, dass er so stressarm wie möglich immer mehr ins Leben wächst, ist das schon sehr befriedigend.

Woher haben Sie denn eigentlich Ihre Erfahrung?

Mein Vater war ein erfolgreicher Schutzhundesportler in verschiedenen Hundevereinen, später Polizeihundeführer, und ich war schon als kleiner Steppke immer mit dabei. Es war also selbstverständlich für mich, auch in die Schutzhundeausbildung einzusteigen und die Hunde unserer DSH-Zucht „vom Haus Gaerra“ bis Klasse III mit auszubilden; sie auf Turnieren und Schauen vorzustellen. Später hat mich der Schutzdienst sehr interessiert und ich habe als Figurantin auf dem Platz gestanden. Allerdings bin ich irgendwann nicht mehr mit seinen manchmal rüden und auch brachialen Ausbildungsmethoden klar gekommen. Schäferhunde halten leider eine ganze Menge aus. Um es kurz zu machen, ich habe mich auf meinen eigenen Weg gemacht. Das passte einfach nicht mehr zusammen. Und die Schutzhundearbeit brauchte erstmal eine Pause. Ich war dann fast zehn Jahre lang als Berufsreiterin tätig und habe mit meinem damaligen Partner einen eigenen Ausbildungs- und Turnierstall geführt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Ich kann allerdings sagen, ohne Hunde – und damit meine ich nicht Hofhunde – ging es auf Dauer nicht.

Heute begleitet mich Chico in meinem Leben, der aus dem Tierschutz kommt und absolut keine Ambitionen hat, ein Schutzhund zu werden. Er ist in den Gruppen immer mit dabei. Wir trainieren, aber nur für uns. Haben bis zu seiner Rückenverletzung erfolgreich an Turnieren der Funsportart Rally Obedience bis Klasse 3 teilgenommen.

In meiner Arbeit darf ich täglich erleben, wie kooperativ Hunde sind. Ganz ohne Druck, laut werden, what ever Gedöns. In Situationen, in denen ich an Grenzen stoße, reagiere ich entspannt und geduldig, hinterfrage erst einmal mich und was ich gerade tue. Denn ich habe mit den Jahren etwas ganz Wichtiges gelernt: Wenn ich im Gleichgewicht bin und achtsam im Hier und Jetzt, bin ich auch in der Lage, mit den Hunden verständlich zu kommunizieren. Und dann klappt es auch. ICH muss mich verständlich machen, nicht die Hunde.

Und warum sind Sie nicht schon längst Trainerin geworden?

Dass ich als Hundebetreuerin immer mehr Ansprechpartnerin zu Hundeerziehung und Problemverhalten werden könnte, hatte ich trotz der ganzen Vorbereitung nicht wirklich auf dem Schirm. Das hat mich einerseits total gefreut, andererseits wollte ich für mich aber erstmal herausfinden, ob ich mich auch als Hundetrainerin selbständig machen will. Als das klar war, hat es noch mehrere Monate gedauert, bis ich die Spreu vom Weizen der Hundetrainerausbildungen getrennt hatte. Ich wollte eine Ausbildung finden, in der nicht eine bestimmte Methode im Vordergrund steht, sondern in der ich ein wissenschaftlich fundiertes Handwerk erlerne, das auf den Gesetzen der Lerntheorie basiert. Fündig geworden bin ich dann bei der Tierakademie Scheuerhof von Viviane Theby und Michaela Hares. Und der Scheuerhof ist weit mehr, denn ich bin dort mit einem Netzwerk aus erfahrenen Trainern, Tierärzten und Verhaltenstherapeuten verbunden. Es hat sich also gelohnt, dass ich mir Zeit gelassen habe.

Vielen Dank für dieses interessante und aufschlussreiche Gespräch!

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